cajón de maipo und chilenischer alltag

30.03.2007

Während hummeln, bienen und kolibris um den lavendel schwirren, bevorzugen eine eidechse und ich es, einfach in der sonne zu liegen und langsam ein wenig energie zu gewinnen, die einem das ach so harte leben doch immer wieder abfordert.

So beginnt ein tag auf dem cajón de maipo, nachdem wir uns am Abend zuvor in unserer cabaña, neben pisco, billard und pool vor allem dem asado widmeten. Nun warte ich mit sonne und eidechse, dass auch merissa, stephanie, jan und moritz den Tag beginnen, um dann einen weiteren tag mit asado und pool in angriff zu nehmen.

Es ist sozusagen mein monatsjubiläum in chile. Vor 30 tagen kam ich mit hoffnungen und auch einigen unsicherheiten an und kann mich inzwischen innerhalb der wahrgewordenen hoffnungen voller sicherheit zurücklehnen.

Man darf es glück nennen, wenn in WG und Uni eigentlich hauptsächlich nette menschen wohnen und studieren, menschen mit denen man sich befreunden kann, mit denen man gemeinsam alles erleben kann, was das ausland- (sstudium) einem anbietet.

Nach einem start in das santiago-leben, der neben uni vor allem durch von amerikanischen studenten gestarteten partys, die ich mit merissa und marisa durchleben durfte, bestimmt war, begann ich den pisco – das blut des chilenischen lebens – auch mit anderen menschen zu genießen.

So ist es nicht vollkommen untypisch, dass wir in gewissenhafter vorbereitung auf einen salsa-abend nicht weniger als 4 gläser des von mir bevorzugten pisco-sours auf meinem allseits beliebten bett verschütteten (der salsa-abend wurde dann mehr ein karaoke-abend, wohl aber in einer bar, die so sehr von aller musik beseelt war, dass nicht nur das personal zumeist angetanzt kam, sondern auch ich! erste salsaschritte wagte………und von den wohlwollenden fast schon gnädigen begleiterinnen auch nicht unmittelbar von der tanzfläche gestoßen wurde).

ebenso wenig untypisch ist es, dass mir in einer busfahrt zum strand (die ganze uni fuhr mit einigen bussen dorthin) bereits nach wenigen minuten ein glas pisco-sour über den kopf geschüttet wurde, zugegebener maßen nachdem ich zuvor schon moritz ein glas piscola über die hose schüttete. Diese beiden ereignisse zu beginn dieses ausfluges zeigen auch recht deutlich, wohin der Weg an diesem tag führen sollte. Und insgesamt muss ich bemerken, dass eine gewisse exzessivität, dem kennenlernprozess nicht abträglich ist.

Man torkelte mit frisch oder noch gar nicht kennen gelernten menschen durch den sand (europäer zu sein ist dem kennenlernprozess auch eher nicht abträglich). Ging zuweilen in restaurants, wo man dann spärlich bekleidet, mit vom wein beseelter zunge irgendein fischgericht bestellt. Wir haben den tag soweit alle überlebt und mussten nicht, wie es unter den chilenen an solchen tagen scheinbar üblich ist, unsere adresse auf den arm schreiben, uns ein schild mit dem namen unseres stadtteils um die brust hängen, um auf einen taxifahrer zu hoffen, der bereit ist, auch vollkommen aktionsunfähige junge menschen durch den spannenden verkehr santiagos zu chauffieren.

Am rande muss ich noch auf die spezielle organisation dieses tages hinweisen. nachdem wir (die ausländischen, zumeist deutschen und holländischen studenten) noch am tag zuvor intensiv darauf hingewiesen wurden, um neun statt um halb zehn auf den campus zu kommen, und wir dort dann auch alle halbe stunde gesagt bekamen, dass unser bus in einer halben stunde fahren würde, fuhren wir schließlich gemütlich gegen zwölf, halb eins los.

Wir können von glück sagen, dass wir zu zeiten der abfahrt wesentlich weniger reizbar waren (bzw. zum bemerken von reizen fähig waren), als dass wir mitbekamen, wie die busse in einer wilden menge von neben sich stehenden studenten, beschützt von nicht unerheblich gepanzerten polizisten, langsam durch den staub von san antonio gen stadtausgang zogen und versuchten genau die studenten aufzunehmen, die schon auf der hinfahrt in jenem bus saßen – gehörte man nicht zu dieser gruppe, wurde einem das körperlich recht deutlich klar gemacht (beobachtet – nicht selbst ausprobiert).

Nun ja, am ende vielen wir alle glücklich in irgendwelche betten santiagos – insofern hatte sich all das gelohnt.

Nach einem solch intensiven kennenlernen macht auch die uni wieder ein wenig mehr spaß, wobei ich auch zuvor eigentlich zufrieden war. Das niveau haut einen nicht um, eher zuweilen die struktur (wenn dieses wort hier überhaupt angebracht ist), in der der Inhalt versucht wird zu vermitteln. Ebenfalls anstrengend und für deutsche studenten ungewohnt, ist wohl die tatsache, dass man mit mehreren tests, papers und präsentationen durchweg auf trab gehalten wird, während wir in deutschland unseren mindestens eben so hohen arbeitsaufwand doch durchaus freier einteilen und auf die eine abschlussprüfung eines jeden faches zuschneiden können.

Mich persönlich beeindruckt (neben der schon eher erwarteten hilfsbereitschaft der kommilitonen) das freundliche und ausgesprochen offene entgegenkommen der professoren.

Es werden nahezu immer (auch) deutsche beispiele verwandt, man erklärt uns nach der stunde neben inhaltlichen aspekten auch politische, geschichtliche und gesellschaftliche aspekte des landes und der universität, immer wieder werden uns lohnenswerte reiseziele genannt, mit dem teils strikten hinweis, dass wir die anwesenheitspflicht in der vorlesung doch gefälligst dem umherreisen und kennenlernen des landes unterstellen sollen.

Vielleicht etwas anstrengend ist die offizielle betreuung der ausländischen studenten der uni. Es wird weit weniger an außeruniversitären veranstaltungen angeboten, als beispielsweise an der católica (weitere große uni in santiago). Störender ist aber eher die fehlende flexibilität oder teilweise vollkommene unfähigkeit in bezug auf die kurswahl.

Gerade für ausländische studenten ist es nicht unwichtig, sich die kurse erst einmal anzuschauen, um dann zu entscheiden, welche belegt werden sollen/können.

Dass solche wechsel dann nicht oder erst nach überschreiten bzw. einschalten gewisser machtinstanzen innerhalb der universitäts-hierarchie möglich ist, ist ärgerlich (dies ist vor allem anderen passiert). Wenn ich aber lediglich einen kurs abwählen will, den ich damals ohnehin nur als plan B gewählt hatte, mir dann leider fälschlicherweise ein anderer kurs gestrichen wird und mir später nach einem kleinen hinweis meinerseits auf diesen fehler gesagt wird, man könne das nicht mehr ändern, weil nun alle kurse voll sind (und in der stimme so ein gewisses c’est la vie mitschwang), bemühte ich mich nicht mehr um eine diplomatische wortwahl……….auch das führt relativ schnell zum erfolg.

Nach so viel anstrengendem alltag lag es nur so auf der hand, dass wir raus mussten. Es reichen 750 peso (also doch immerhin ein wenig mehr als ein euro) um nach san josé auf den cajón de maipo innerhalb der anden am rande santiagos zu kommen. Von dort erreichten wir das etwas abgelegene santuario del rio, wo wir schließlich unser hübsches haus mieteten um auch diese tage so sehr zu genießen wie wir eben in der lage dazu sind. Auch dass wir auf dem rückweg nach santiago selbst die 750 pesos sparten, weil wir auf der ladefläche eines kleinen transporters unterkamen, passt vielleicht in das gesamtbild, dass unser leben in santiago zu umreißen versucht.

Mir ist klar, dass in diesem ersten großen bericht viele der aktivitäten, obwohl sie ebenso erzählenswert gewesen wären) keinen platz mehr fanden und einiges der selbstauferlegten zensur weichen musste (das internet ist doch irgendwie zu offen zugänglich), aber vielleicht reicht es um ein wenig an alldem teilzuhaben, was ich meinem ja noch alterbedingt recht kleinen erfahrungsschatz hinzuzufügen versuche. Die kommenden wochen werden von uni, partys, neuen freunden sowie valparaiso, mendoza und buenos aires bestimmt sein….es wird also vielleicht wieder mal was zu erzählen geben………………………………………………………

Eine Antwort zu “cajón de maipo und chilenischer alltag

  1. wunderbar geschrieben, ich fühl mich, als wär ich dabei gewesen, allerdings kommt einem die zensur dazwischen 😉
    liebste grüße aus der stadt im norden (hat aber ein tolles, architektonisch wertvolles chile-haus!!)

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